(Deutsch) Ho Chi Minh City alias Saigon – die größte Stadt Vietnams

By Dominik und Ellen

Nach unserem Stopp in Zentralvietnam mit Hue und der DMZ (hier geht‘s zum Beitrag) besuchten wir Hoi An. Eine wunderschöne Stadt in Meeresnähe, die vor allem durch ihre Altstadt mit verwinkelten Gassen und tollen Lampions besticht. Auch gilt sie als DIE Hauptstadt der Schneider. Man bekommt hier was das Herz begehrt. Kein Schnitt ist ihnen zu schwer, ob Abendkleider, Hosen, Schuhe, Taschen…. Aber natürlich – wo Licht ist, ist auch Schatten und daher sollte man vorher ganz genau wissen, wieviel es kosten darf und welche Schneider zuverlässig gute Arbeit leisten. Meist kann man in den Unterkünften gute Tipps bekommen und natürlich Tripadvisor etc. zu Rate ziehen.
—> Bilder Hoi An
Was gibt es zwischen Hoi An und Ho Chi Minh Stadt?
Ja was gibt es hier?! Ehrlich gesagt – nichts, nada, nüx! Zumindest nicht für uns 😉 Es reiht sich mehr oder weniger ein Strandort an den nächsten und von vielen haben wir unschöne Berichte gehört. Wer Lust auf Strandparty ohne Ende hat, der ist hier bestimmt richtig aufgehoben. Wir haben einheitlich beschlossen, dass wir das auslassen.
Für die Strecke zwischen Hoi an und Ho Chi Minh Stadt gibt es im wesentlichen drei Fortbewegungsmittel. Bus, Zug oder Flugzeug, wobei die beiden letzteren aus Da Nang starten. Preislich kann man es genauso staffeln, wobei fliegen günstig sein kann, wenn man es mindestens 5 Tage im Voraus bucht. Vom zeitlichen Aspekt, schneidet der Bus auch schlecht ab, da man mehr als 24 Stunden unterwegs ist. Zwar lieben wir das Busfahren in Südamerika, vor allem in Peru – aber das ist kein Vergleich zu Asien. Wenig bis kein Service, kein Komfort und keine Sicherheit. Wem diese Vorstellung gefällt, bitte ;-), aber das ist nix für uns. Da die Züge leider ausgebucht waren, sind wir für knapp 70 Euro geflogen… wirklich teuer, denn es war zu kurzfristig. Aber richtiger Urlaub ist nun mal begrenzt und Matthias wollte auch wieder zurück nach Deutschland.

Sündenpfuhl Saigon – kein Film ist so spannend wie die Menschheit selbst
Verabschiede dich von Ho Chi Minh Stadt, das sagt hier wirklich keiner. Die Stadt ist und bleibt Saigon. Eine moderne Metropole, mit den meisten Annehmlichkeiten westlicher Großstädte. Alle angesagten Designermarken, Hotelketten, Restaurants – man findet was das Herz begehrt. Vor allem, wenn man vorher Hanoi und die Provinzen besucht hat, fühlt man sich hier wie in einer anderen Welt. Die Backpacker tummeln sich rund um die Bui Vien Road. Hier kommt jeder her und nachts wandelt sich diese Straße zu einer bizarren Partymeile. Es reihen sich Bars, Restaurants und Garküchen neben Massagestudios und Prostituierten. Jeder zweite Typ verkauft Marihuana, Kokain oder andere lustige Pillen. Am weitesten verbreitet ist Lachgas, das man in jeder Bar für umgerechnet 2 Euro bekommt. Untermalt wird das Ganze von etwaigen Showeinlagen, wie Michael Jackson Imitatoren oder Feuerspuckern, die ihre Show abziehen. Das Ganze natürlich bei starkem Menschengedränge und PKW- und Rollerverkehr, der sich nebenbei auch noch durch die Straße schiebt.
Abstoßend waren zum Teil die Bettler, die unserer Meinung nach fast schon skrupellos unterwegs sind. Hier war das Krasseste, was wir gesehen haben, das Leute mit schwerst behinderten Kindern umherziehen und die „Hand aufhalten“. Lethargisch wirkende Kinder mit Wasserköpfen die teilnahmslos mit einem Tuch vor die Brust gespannt und mit „herumgeschleift“ werden. Dagegen sind Fünfjährige die ihrer Mutter hinterherlaufen und Kram verkaufen ja noch harmlos.
Wie gesagt, diese Straße ist mehr als bizarr! Aber auch irgendwie spannend und dennoch herrscht dort eine entspannte Atmosphäre, in der wir uns sicher gefühlt haben.

War Remnant Museum
Im War Remnant Museum wird man mit unglaublichen, teils schockierenden Bildern aus der Kriegszeit konfrontiert. Es gibt sehr viele Fotos von verschiedenen Kriegsfotografen, die den Krieg in Bildern festhielten. Viele von ihnen sind auch während ihrer Arbeit dort umgekommen. Der Vietnamkrieg war wohl der erste richtige “Medienkrieg”, über den mit Farbfotos und Filmen weltweit Bericht erstattet wurde. Im Vergleich zum zweiten Weltkrieg, wo dies noch nicht vollständig möglich war, kam so der Krieg zu den Menschen nach Hause und führte der Welt vor Augen, was in Vietnam vor sich ging.
Zudem wird hier natürlich auch allerlei „Hardware“ vom Hubschrauber über Flugzeug zum Panzer und Sturmgewehr ausgestellt.
Ein sehr beeindruckendes Museum, in dem auch ausführlich über die Spätfolgen von „Agent Orange“ berichtet wird.
War Remnant Museum
Homepage
Eintritt

Fito Museum
Ein sehr spannendes Museum in Saigon, ist das Fito Museum. Hierbei handelt es sich um ein Museum über die traditionelle Vietnamesische Medizin, gesponsert von dem führenden Pharmaunternehmen Vietnams. Allein das traditionelle Haus, in dem das Museum zu finden ist, ist einen Besuch wert. Vier Stockwerke, eins bewundernswerter als das nächste. Und wer noch auf der Suche nach einem besonderen, gesundheitsfördernden Mitbringsel ist, wird hier sicher auch fündig werden.
Fito Museum
Homepage
Eintritt

Unsere Rucksäcke und ihre Wurzeln
Als wir vor ewigen Zeiten – zumindest kommt es uns so vor – unsere Reise planten, sind wir bei der Equipmentrecherche auch auf der Homepage von Tatonka gelandet. Dabei ist uns das Tab „Open Factory“ aufgefallen. Dabei geht es um die Möglichkeit, eines der Produktionswerke von Tatonka in Vietnam zu besichtigen. Also warum nicht die Chance ergreifen, sich von den Arbeitsbedingungen in einem Billiglohnland wie Vietnam zu überzeugen? Allzu oft wird man dazu sicherlich nicht die Gelegenheit haben.
Die Anmeldung war einfach über das Kontaktformular direkt auf der Firmenhomepage. Daher haben wir am 30.06. das Tatonka Werk in Saigon besichtigt.
Wir drei wurden am Eingang des Werkes freundlich begrüßt und waren auch die Einzigen Besucher für die Werksführung. Sehr angenehm und entspannt!
Sämtliche Abteilungen des Fertigungsbetriebes wurden uns gezeigt und wir durften auch bei diversen Fertigungsschritten zusehen. Selbst der Bereich Produktenwicklung, in dem die ersten Prototypen entstehen, wurde uns gezeigt. Im Sample room mit angegliedertem Fotostudio haben wir dann auch unsere zwei Tagesrucksäcke entdeckt. Auf einen Austausch von Alt gegen Neu wollte sich der Mitarbeiter aber leider nicht einlassen. 
Interessant war die „Nähstube“, in der die ganzen Einzelteile – in dem Moment waren es Rucksacktaschen für Sanitäter – zu einem Fertigprodukt zusammengenäht wurden.
Nicht nur die Produkte von Tatonka werden hier hergestellt, sondern auch die von Tasmanian Tiger, die Umhängetäschchen der Bahnbegleiter der deutschen Bahn und viele weitere namhafte Marken. Auch ist das Werk ganz groß bei der Produktion von Rucksäcken für verschiedenste Militärs der Welt. Besonders spannend zu sehen waren aber die bereits jetzt großen Mengen an Wintermode 2018/2019. Offensichtlich geht der Trend in der nächsten Saison dann zu meliert.

Das Einzige was unserer Meinung nach gefehlt hat, war ein Werksverkauf 

Cu Chi Tunnel
Auch wenn die Stadt selbst nicht so viel Kulturelles zu bieten hat, kann man etliche Tagesausflüge in die Umgebung unternehmen. Wir haben uns einer Tour zu den Cu Chi Tunneln, zwei Stunden nördlich von Saigon angeschlossen. Diese wurden, im Vergleich zu den Vinh Moc Tunneln, hauptsächlich zum Kämpfen genutzt. Dementsprechend, sind sie viel viel niedriger und zur Verteidigung mit gefährlichen Fallen ausgestattet. Um sie für Touristen zugänglich machen zu können, wurde ein Tunnel etwas erweitert, sodass man in der Hocke im Entengang durchkrabbeln kann. Dies auf maximal 100 Metern, die uns aber wie ein Kilometer vorkamen. Es ist unglaublich heiß, stickig und dunkel. Unvorstellbar, dass sich Menschen dort für längere Zeit aufgehalten haben.
Es werden auch ein paar der damals vom Vietcong aufgestellten Fallen gezeigt. Meist wurden Löcher ausgehoben und mit nach oben angespitzten Bambus oder Metallspießen verziert. Oftmals noch mit Exkrementen „verfeinert“. Ziel war es den Gegner zu verletzten, nicht zu töten. So wurde die Gruppe langsamer und angreifbarer.
Unserer Meinung nach gab es bei den Cu Chi Tunneln zwei wahre Highlights:
1. Einstieg in einen Originaltunnel
Es gab einen getarnten und angeblich auch originalen Tunneleingang in den man hinabsteigen konnte. Man kommt mit den Schultern nur dann durch das schmale Loch, wenn man seine Arme über den Kopf hält. So lässt sich auch der Deckel des Tunneleingangs verschließen.
2. AK47
Da die Anlage vom vietnamesischen Militär betrieben wird, wurde auch ein Schießstand eingerichtet. Hier wird den Touris die Gelegenheit gegeben, mit einem AK47 oder einem M30 wild drauf los zu ballern. Damit wird wohl der eigentliche Reibach gemacht.
10 Schuss aus der AK47 kosteten 500.000 VND, umgerechnet ca. 20 €.
Ein bisschen gestört, dass auf einem ehemaligen Schlachtfeld jetzt zur Bespaßung der Touris mit scharfer Munition geschossen wird…Allerdings schaffen die Schüsse, die über das Gelände hallen, auch eine authentische Atmosphäre in der die Phantasie angeregt wird. Läuft man durch den umliegenden Dschungel, mit all den Tunneleingängen, Hütten und der schlechten Weitsicht kann man nur erahnen, wie furchtbar es für die Soldaten auf beiden Seiten gewesen sein muss.
Cu Chi Tunnel
Homepage
Eintritt

Zeitzeugen
In unserem Hotel in Saigon war auch ein amerikanischer Kriegsveteran, der seit vielen Jahren in Vietnam lebt. Warum er dort war, wurde uns nicht ganz klar. Aber in dem Kriegsmuseum in Saigon haben wir eine Beschreibung eines Veteran gelesen, die uns treffend vorkam. Er beschrieb, dass er viele Jahre in Vietnam verbracht und gekämpft hat. Hier wurde sein Blut vergossen. Er hat viel Schweiß und Anstrengungen in dem Land gelassen. Daher fühlt er sich mit Vietnam in irgendeiner Weise verbunden und bezeichnet es daher als seine „Heimat“.
“I was good at snitching Charlie out of his hole”
Der Veteran in unserem Hotel erzählte uns, dass er während des Krieges drei Mal nach Vietnam geschickt wurde. Seine Worte waren: “I was good at snitching Charlie out of his hole”. Da die Amerikaner damals die Wehrpflicht wieder einführten, hatten viele junge Männer keine Wahl und mussten nach Vietnam in den Krieg ziehen. Nach 18 Monaten Dienst durften die Überlebenden wieder zurück. Er erzählte, dass seine Vorgesetzten so zufrieden mit seiner Arbeit waren, dass sie ihm Unsummen und Beförderungen versprachen, damit er wieder zurück an die Front ging. Er tat dies und ging als 24 jähriger Major nach dem Krieg nach Hause. Angeblich hätte er danach nur noch ein bisschen studiert und nicht mehr allzu viel arbeiten müssen, da seine Pension recht üppig war und ist.

Resümee Vietnam
Dies ist unser letzter Beitrag zu unserer dreiwöchigen Reise durch Vietnam. Ein Land mit unglaublich vielen Facetten, das uns wirklich in seinen Bann gezogen hat. In vielen Teilen doch schon touristisch erschlossener, als wir es uns vorstellen konnten. Jedoch findet man problemlos auch andere Ecken, in denen das Leben auf einfache Weise so weiter geht wie schon seit vielen Jahrzehnten. Die Menschen, die uns auf dieser Reise begegnet sind, waren meist unglaublich freundlich und wir haben uns sehr willkommen gefühlt. Auch im Hinblick auf die Sicherheit, fanden wir Vietnam überragend. In Berlin wird man wohl eher Opfer eines Verbrechens. Zumindest gefühlt.
Es ist einfach, sich mit Bus oder Bahn im Land fortzubewegen und die meisten Tickets kann man online kaufen und so die Sprachbarrieren am Schalter überwinden. Für die abenteuerlustigen gibt es auch die Möglichkeit sich einen Roller zu mieten oder zu kaufen, wir würden da aber wohl unsere Schutzausrüstung aus Deutschland mitbringen wollen 🙂
Für alle, die sich schon lange überlegen, ob sie nicht Vietnam auf ihre Reiseliste schreiben sollen: JA! JA! JA! Wir können dies nur wärmstens empfehlen und im Vergleich mit unseren anderen Reiseländern rangiert Vietnam ganz weit oben. Es lohnt sich! Wir kommen auf jeden Fall nochmal hierher.

Dominik und Ellen

Hi! We are travellers and explorers and share with you our adventures

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